©Sandoz

Sandoz liefert gute Zahlen bei Biosimilars, aber die Konkurrenz rückt näher

Die Sandoz AG liefert zum ersten Quartal einen kräftigen Anstieg des Umsatzes, der nur durch Währungseinflüsse nicht ganz so groß erscheint. Doch ein Plus von 18% im Biosimilarsegment ist ein deutliches Signal, dass dieser Bereich überproportional an Bedeutung gewinnt. Wenn da nicht die leidige Erstattungsfrage wäre, das Thema automatische Substitution und die Konkurrenz aus Asien. Noch dazu kommt China auch räumlich immer näher und bringt Biosimilars 'made in China' unter deutscher Niederlassungsflagge in die Kostendebatte ein.

ANZEIGE

Sandoz ist mit solidem Wachstum ins Jahr 2026 gestartet und bestätigt seine Jahresziele. Im ersten Quartal stieg der Umsatz währungsbereinigt um 3%, getragen vor allem von Biosimilars (+18%), während das Generikageschäft leicht rückläufig blieb. Besonders dynamisch entwickelte sich Nordamerika, aber auch Europa legte zu.

CEO Richard Saynor verweist auf eine „starke Grundlage“ und sieht erhebliches Potenzial durch neue Produkteinführungen, eine wachsende Pipeline und regulatorische Erleichterungen. Dazu zählt insbesondere die jüngste Positionierung der European Medicines Agency, wonach für viele Biosimilars künftig weniger umfangreiche klinische Studien erforderlich sein könnten.

Deutschland wichtig, aber Europa bleibt schwierig

Im DACH-Raum spiegelt sich diese Entwicklung in einem insgesamt stabilen, aber stark regulierten Markt wider. Deutschland bleibt einer der größten Biosimilar-Märkte Europas, getrieben durch frühe Adoption, Rabattverträge und Kostendruck im Gesundheitssystem. Gleichzeitig sorgen Preisdruck und Ausschreibungsmodelle für Margenbelastung. In Österreich und der Schweiz verläuft die Durchdringung langsamer, unter anderem aufgrund unterschiedlicher Erstattungssysteme und geringerer Substitutionsanreize.

Während in Deutschland weiter ein heftiger Schlagabtausch zwischen Politik und Verbänden in Sachen „automatischer Substitution“ läuft, die entgegen der europäischen Bemühungen zur größeren Unabhängigkeit von asiatischen Herstellern das Kostenargument in den Vordergrund stellt (und damit die Produktion in fernen Ländern zu niedrigeren Kosten bevorzugen dürfte), droht in Europa auch Unbill für die Pharmahersteller durch die Kommunalabwasserrichtlinie (KARL). Dort werde von der EU-Kommission mit falschen Zahlen hantiert, heißt es. Kern der Kritik ist eine drastische Diskrepanz bei den prognostizierten Kosten der Abwasserrichtlinie, für die mehrheitlich die Generika-Industrie aufkommen soll. Die EU-Kommission bezifferte die jährlichen Gesamtkosten EU-weit auf circa 1,2 Mrd. Euro. Studien einzelner Mitgliedstaaten und der Wasserwirtschaft kommen hingegen auf das Drei- bis Zehnfache. Allein für Deutschland gehen öffentliche Stellen und Branchenvertreter von rund einer Milliarde Euro pro Jahr aus.

Strategisch baut Sandoz seine Position weiter aus, etwa durch eine Partnerschaft mit Samsung Bioepis, die die Pipeline auf bis zu 32 Biosimilar-Kandidaten erweitert. Parallel investiert das Unternehmen in Produktion und Organisation, um künftige Patentabläufe und Marktchancen besser zu nutzen.

Zeitenwende in der Arzneimittelversorgung gefordert

Der Branchenverband Pro Generika sieht die wiederkehrenden Alarmmeldungen über Lieferengpässe bei Medikamenten – derzeit werden rund 500 Medikamente auf einer Art „roten Liste der von einem Lieferengpass bedrohten Wirkstoffarten“ aufgelistet – als ein strukturelles, aber auch strategisches Problem. In einem Austausch mit Sicherheitsexperten wäre deutlich geworden, dass die USA uns etwa fünf Jahre voraus seien – mit einem Schulterschluss zwischen Industrie, Militär, Weißem Haus, Gesundheitsministerium und Kongress.

Die Bundeswehr sieht Oberstapotheker Dr. Bernd Klaubert dabei im Gegensatz zum zivilen Bereich bereits gut gerüstet. Warum? Weil er bei der Beschaffung von Medikamenten nicht an Rabattverträge gebunden ist und auf mehrere Zulieferer und resiliente Lieferketten setzen kann. „Wir dürfen nicht erst im Kriegsfall damit beginnen, uns um eine sichere Versorgung zu kümmern – wir müssen uns jetzt robust aufstellen. Mehrkosten sind dabei unabdingbar. Aber: Mit Blick auf europäische Produktion geht es fast immer nur um Centbeträge pro Patient. Hier müssen wir uns fragen: Was ist uns Sicherheit wert?“ kommentierte Klaubert die Lage.

Auch internationale Unternehmen sehen Chancen, sich bei einer solchen möglichen Veränderung der Haltung gegenüber Biosimilars und Generika in Europa vor Ort zu positionieren. So hat die bereits seit 2008 in Deutschland aktive Niederlassung des großen chinesischen Generikaherstellers Sun Pharmaceuticals erstmals seit dem Frühjahr auch ein Biosimilar auf dem deutschen Markt. Mit der Einführung von Yaxwer® (Denosumab) erweitert das Unternehmen sein Portfolio im onkologischen Bereich um hochwertige biopharmazeutische Therapieoptionen – ausdrücklich mit dem Anspruch, „für das Gesundheitssystem kosteneffizient“ sein zu wollen. Die Konkurrenz aus China ist damit direkt auf dem Spielfeld vor Ort gelandet.

Insgesamt zeigt sich: Biosimilars gewinnen weiter an Bedeutung, auch im DACH-Raum. Doch während regulatorische Erleichterungen und steigende Nachfrage Rückenwind geben, bleibt der wirtschaftliche Druck hoch.

SIE MÖCHTEN KEINE INFORMATION VERPASSEN?

Abonnieren Sie hier unseren Newsletter